Ostfriesland
Zentralklinikum Georgsheil
Ein Projekt der Superlative wird derzeit in Ostfriesland realisiert. Auf 36 Hektar entsteht ein modernes Zentralklinikum, das die Klinik in Aurich, das Klinikum Emden und die Klinik in Norden zusammenführt und die stationäre medizinische Versorgung der Zukunft sicherstellen kann. Der Standort bei Georgsheil bildet dabei die geografische Mitte. Mit über 800 Betten und weiteren 96 Plätzen im Bereich der psychiatrischen Tagesklinik wird nun eine übergreifende medizinische Versorgung für den ostfriesischen Raum geschaffen. Es handelt sich um die größte öffentliche Hochbaustelle der Region.

Im Herbst 2020 fand hierfür der Architekturwettbewerb statt: gmp International aus Aachen konnte gemeinsam mit WES Landschafts-Architektur GmbH, Hamburg, die Jury mit ihrem Entwurf überzeugen. Insbesondere die Campusstruktur mit dem dorfartigen Ensemble und die gute verkehrliche Anbindung stachen heraus. Auch die innere Wegeführung und die Organisation der betrieblichen Abläufe trugen zur Beauftragung mit der Gesamtplanung bei.
Der feierliche Spatenstich und somit der bauliche Startschuss erfolgten Ende 2024. Im weiteren Bauverlauf wurden über 1.600 Bohrpfähle eingebracht, um das solide Fundament der Klinik zu bilden.
Die Übergabe der Baugrube an den Rohbauunternehmer erfolgte im August 2025. Eine Besonderheit des Projekts ist das baustelleneigene Betonmischwerk auf dem Gelände – so können rund 9.000 Lkw-Fahrten eingespart werden und just in time bekommt eine völlig neue Bedeutung. Insgesamt werden ca. 70.000 Tonnen Beton und rund 100.000 Tonnen Stahl verbaut. Sukzessive wurden insgesamt sieben Kräne für die Realisierung des Rohbaus aufgebaut: Sechs Obendreher und ein Untendreher ermöglichen das Fortschreiten des Rohbaus in allen Bauteilen gleichzeitig.
Die technische und logistische Versorgung des Klinikums erfolgt insbesondere durch das Untergeschoss. Hier ist unter anderem ein Tunnel vorgesehen, in dem ein fahrerloses Transportsystem installiert wird. Dieser wird das Versorgungszentrum mit den Gebäuden der Somatik und dem Zentrum der seelischen Gesundheit verbinden. Der Tunnel ist so dimensioniert, dass neben zwei Fahrspuren auch ein Bereich für den manuellen Logistikverkehr vorgesehen ist. Über die dort angebundenen Logistikaufzüge erfolgt der vertikale Transport automatisiert bis in die Übergaberäume auf den Funktionsebenen.
Die technische Anbindung erfolgt über den am Kopf des Gebäudeensembles angeordneten Energiepark. Über den Medientunnel werden die Zu- und Ableitungen in die einzelnen Gebäudeteile geführt.

Das gesamte Gebäudeensemble wird auf einer Warft gegründet, die Höhenlage des Eingangsbereichs wurde auf 2,30 Meter über Normalnull festgelegt, um die Hochwasserrisiken für das Klinikum zu minimieren. Die Wasserdichtheit des Untergeschosses wird durch den Einsatz von WU-Beton und die Verlegung einer Frischbetonverbundfolie gewährleistet. Diese sorgt für eine hohe Sicherheit, insbesondere gegen drückendes Grundwasser, welches im Raum Ostfriesland oberflächennah ansteht.
Der Bau auf der grünen Wiese ist alles andere als alltäglich und birgt besondere Herausforderungen: Die Flora und Fauna der ostfriesischen Landschaft gilt es auch während des Baubetriebs zu schützen. So waren im Frühjahr 2026 beispielsweise während der Brut- und Setzzeit besondere Schutzmaßnahmen für Flussregenpfeifer und Austernfischer erforderlich. Aufgrund der engen Zusammenarbeit zwischen ökologischer Baubegleitung, Rohbauunternehmer und uns konnte ein Baustopp verhindert werden.

Im April 2026 erfolgte gemeinsam mit den Projektvertretern sowie Vertretern aus der Politik die Grundsteinlegung. Ab Herbst 2026 beginnt die Montage der Fensterfassade. Die Übergabe des fertigen Gebäudekomplexes für den Klinikbetrieb ist für das Frühjahr 2029 geplant.
