Berlin
Komödie am Kudamm – Maria Falk im Gespräch mit Michael Forner
Michael Forner leitet das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm in Berlin sowie die Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg. Im Gespräch spricht er über seine Arbeit, Visionen und die aktuellen Herausforderungen der Theaterwelt.

Michael Forner, Geschäftsführer bei Theater und Komödie am Kurfürstendamm und Komödie Winterhuder Fährhaus
M. Falk (WBRE): Herr Forner, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen. Die Komödie am Kurfürstendamm ist ein echtes Berliner Kulturgut und befindet sich in einem spannenden Kapitel: Neubau, Rückkehr an den Kudamm, künstlerische Weiterentwicklung. Wie erleben Sie diese Phase persönlich und beruflich?
M. Forner: Es ist eine sehr intensive Phase. Wir sind mittlerweile ziemlich umzugserprobt, da wir unsere Spielstätten immer nur temporär nutzen können. Das hat uns gelehrt, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf das, was ein erfolgreiches Theater wirklich ausmacht. Persönlich bin ich aktuell weniger im künstlerischen Alltag eingebunden, sondern begleite dieses spannende und herausfordernde Bauprojekt, was eine ganz neue Perspektive eröffnet.
Die Komödie blickt auf über 100 Jahre Geschichte zurück. Wie fließt diese Identität in die bauliche Planung des neuen Hauses ein?
Uns war es wichtig, dass das neue Gebäude die Atmosphäre und Nähe zum Publikum bewahrt, die die Komödie immer ausgezeichnet hat. Daher haben wir uns bewusst auf das Neue konzentriert. Ein wichtiges Element aus dem alten Haus muss jedoch mit umziehen – der Kronleuchter.
Wie würden Sie Ihre Rolle und die der Komödie am Kurfürstendamm in diesem Prozess beschreiben – eher als Bauherr, als kreativer Impulsgeber oder als Vermittler zwischen künstlerischen und baulichen Anforderungen?
Es ist eher selten und auch ungewöhnlich, dass man so tief in die Planung und den Bau seiner eigenen Spielstätte eingebunden ist. Sie sind daher nicht nur Theatermacher, sondern inzwischen auch fast Bauleiter – wie ist es, mitten im Bauprozess für die neue Komödie zu stehen?
Die Theaterbranche ist komplex, und das Bauprojekt ist es auch. Ich habe gelernt, mich flexibel auf neue Aufgaben einzustellen und gemeinsam mit den Beteiligten Lösungen zu finden. Es ist eine Herausforderung – aber auch eine große Chance.
Wie erleben Sie in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit – eher als kreative Partnerschaft oder als organisatorische Herausforderung?
Am Anfang war ich überrascht, wie tief man in technische Details eintauchen muss. Aber ich habe viel gelernt – und bin dankbar, dass wir mit allen Projektpartnern sehr partnerschaftlich zusammenarbeiten.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit oder Barrierefreiheit im neuen Haus?
Nachhaltigkeit im Theater ist schwierig – mit jedem neuen Bühnenstück müssen wir uns von alten Dingen trennen. Aber wir nutzen die Chance des Neubaus, um mit moderner Technik wie LED-Beleuchtung ressourcenschonender zu arbeiten. Auch Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema, das wir von Anfang an mitgedacht haben.
Die theaterspezifische Ausstattung wird von Ihnen als Mieter selbst geplant und eingebaut. Welche technischen Neuerungen oder gestalterischen Highlights sind geplant?
Zwei Dinge liegen mir besonders am Herzen: die Eingangstreppe, die das Publikum schon beim Betreten in eine andere Welt führt – und der alte Kronleuchter aus der ursprünglichen Komödie, den wir restaurieren und wieder anbringen werden. Ein Stück Geschichte im neuen Haus.
Was sind Ihre persönlichen Erwartungen an die Eröffnung des neuen Hauses bzw. was wünschen Sie sich für die Zukunft der Komödie am Kudamm?
Ein volles Haus! Ich freue mich auf das neue Umfeld am FÜRST und darauf, dass wir endlich wieder eine feste Heimat haben, die wir mit Leben füllen können.
Gibt es bereits Überlegungen für das erste Stück, das Sie im neuen Haus umsetzen möchten?
Ja – aber das bleibt noch ein Geheimnis!
Einer meiner Geschäftsführer hat angeregt, Sie zu fragen: Wenn Sie das Stück „Der Hauptmann von Köpenick“ inszenieren würden, welchen Berliner Schauspieler könnten Sie sich besonders gut in der Hauptrolle vorstellen?
Katharina Thalbach! Sie hat mit über 150 Auftritten als Miss Merkel bewiesen, dass sie solche Rollen mit Witz und Tiefe spielen kann – das wäre eine spannende Besetzung.
Abschließende Worte?
Ich bin froh, dass wir die Phase hinter uns haben, in der niemand wusste, wie es weitergeht. Jetzt verändert sich mit jedem Baustellentermin etwas – und man sieht immer mehr, wie unser neues Zuhause am FÜRST Gestalt annimmt.
